Konzept der palliativen Geburt

Wenn bereits in der Schwangerschaft festgestellt wird, dass das erwartete Kind mit großer Wahrscheinlichkeit nach der Geburt nicht oder nur (sehr) kurz leben kann, so bietet sich das Konzept der palliativen Geburt als ein Weg für die Familie an. Gemeinsam mit dem betreuenden Fachpersonal kann ein indivduelles, familienorientiertes Vorgehen umgesetzt werden, welches auf die Bedürfnisse des noch ungeborenen Kindes und aller Familienangehörigen zugeschnitten ist. Die restliche Schwangerschaft, die Geburt, die meist kurze gemeinsame Zeit und der Abschied werden unter fachlich kompetenter Begleitung bewusst gestaltet, vorbereitet und gelebt. Auch die Nachsorge und Trauerbegleitung sind Teil des Konzepts.
"Die werdenden Eltern sollten wissen, dass Schmerzen, Atemnot, Unruhe
und Angst bei einem Neugeborenen selten auftreten und gegebenenfalls 
medikamentös wirksam gelindert werden können."
(Zernikow 2013)*

Viele Eltern bewegt vorab die Frage, ob ihr erkranktes ungeborenes Kind nach der Geburt Schmerzen erleiden wird oder es gar qualvoll sterben muss. Die meisten Neugeborenen, die unmittelbar nach der Geburt versterben, haben aufgrund des fehlenden Atemantriebs einen Atemstillstand. Dieser ist jedoch nicht von einem Gefühl von "Luftnot" begleitet. Die Kinder zeigen dementsprechend auch keine Zeichen eines „Todeskampfes“ oder "qualvollen Erstickens". Bei Verzicht auf eine Atemunterstützung setzt zusätzlich rasch eine natürliche Sedierung aufgrund von erhöhtem Kohlenstoffdioxidgehalt (Hyperkapnie) und Sauerstoffmangel (Hypoxie) ein. Sollten darüber hinaus dennoch Schmerzsymptome beim Kind auftreten, kann durch Medikamente im Rahmen der Palliativversorgung das Gefühl von Atemnot, was sehr selten vorkommt, unterdrückt werden (Garten und von der Hude 2016)*.

Eine palliative Versorgung im Gebärraum hat nichts mit "das Kind unbehandelt sterben lassen" zu tun. Vielmehr wird die ganze Familie interdisziplinär (auch psychologisch) begleitet und das Kind seinen Bedürfnissen entsprechend versorgt, was in diesem Fall auch beinhaltet, unnötige/ nicht die Lebensqualität verbessernde Behandlungen zu unterlassen.


* Garten L, von der Hude K (2016): Palliativversorgung im Kreißsaal. Z Geburtshilfe Neonatol. 220(2):53-7
* Zernikow B (2013): Palliativversorgung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Springer Verlag Berlin / Heidelberg, Seite 387